17 | 05 | 2012

Allgemeine Informationen

Friedrich Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Medizinische Fakultät

Studienprogramm Bachelor of Science und Master of Science
Molekulare Medizin

Alle Angaben geben den Stand des genehmigten Studienkonzeptes wieder, für den Studienablauf ist die  Prüfungsordnung für die Bachelor- und Masterstudiengänge Molekulare Medizin verbindlich.

© 1999-2011 Prof. Dr. med. Cord-Michael Becker, Lehrstuhl für Biochemie und Molekulare Medizin, Medizinische Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg.

 

Allgemeines

Im Gegensatz zur Humanmedizin, die sich im Allgemeinen mit der Linderung oder Beseitigung von krankheits- oder unfallbedingten Beschwerden beschäftigt, befasst sich die Molekulare Medizin mit den grundlegenden Theorienbildungen hinsichtlich des menschlichen Lebens und den krankhaften Veränderungen dieses Lebens.

 

Das Studienprogramm Molekulare Medizin verbindet die Inhalte und Fragestellungen der experimentellen Medizin mit der Methodik der Molekularbiologie. Damit trägt die Medizinische Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg nicht nur der Tatsache Rechnung, dass die traditionellen Grenzen zwischen den biomedizinischen Disziplinen an Bedeutung verloren haben, sondern bietet einen zukunftsorientierten Studiengang für medizinische Biowissenschaftler an, die im Bereich der medizinischen Forschung in Industrie, Behörden und Universitäten tätig werden wollen.

  

Ziele und Inhalte

Die Molekulare Medizin befasst sich mit den Grundlagen des Lebens und seiner krankhaften Veränderungen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ist zunächst die Biochemie als eigenständiges Fach aus Medizin und Organischer Chemie hervorgegangen. Seither sind biochemische Laboranalysen ein nahezu unersätzliches diagnostisches Werkzeug der Medizin geworden: Blutanalysen von Metaboliten und Enzymaktivitäten gehören längst zum Routineprotokoll ambulanter und stationärer Untersuchungen. Tatsächlich lassen sich die meisten Stoffwechselkrankheiten und endokrinen Störungen nur biochemisch diagnostizieren.

Die rasche Entwicklung der Molekularen Medizin hat in den letzten Jahren einen grundlegenden Wandel der klinischen Medizin angestoßen: Die Zahl von Krankheiten, deren Ursache

molekulargenetisch definiert werden kann, nimmt ständig zu. Klinisch relevante Umsetzungen sind beispielsweise die molekulare Aufklärung der zystischen Fibrose (Mukoviszidose) und der progressiven Muskeldystrophie vom Typ Duchenne. Durch DNA-Analyse von Onkogenen können tumorgefährdete Patienten zuverlässig diagnostiziert und vorsorglich behandelt werden, während sich menschliche Neurotransmitter-Rezeptoren durch rekombinante Expression der zugehörigen Gene in Zellkulturen verpflanzen lassen und damit die Entwicklung von neuartigen, hochselektiven Pharmaka ermöglichen. Aber nicht nur die Zahl der molekulargenetisch charakterisierten Krankheiten wächst ständig. Auch das Verständnis von viralen und bakteriellen Infektionswegen oder von Medikamentenwirkungen wäre ohne die Erkenntnisse von Molekularbiologie, Biochemie und Zellphysiologie undenkbar.

 

 

Diese tiefgreifenden Veränderungen werden mit dem Vordringen von DNA-Diagnostik und Proteinexpression langfristig nicht nur die forschende Medizin, sondern in absehbarer Zeit auch die allgemeine Versorgungsmedizin nachhaltig prägen. Mit neuen diagnostischen und therapeutischen Ansätzen wie der Einführung von rekombinantem Insulin ist dieser Wandel längst in den klinischen Alltag vorgedrungen. Molekularbiologische Methoden haben auch die Diagnostik von Erbkrankheiten revolutioniert: Dank der technisch einfachen Polymerase-Kettenreaktion sind inzwischen sogar Routinelabors in der Lage, spezifische Gensequenzen zu analysieren. Die Molekulare Medizin wird auch in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen, da insbesondere die Kombination von Genetik und funktioneller Analyse der Genprodukte ein tieferes Verständnis der Pathogenese ermöglichen wird. Dieses soll für die progressive Muskeldystrophie vom Typ Duchenne exemplarisch verdeutlicht werden.

 

 

Erfolge der Molekularen Medizin: Neurologie, Pädiatrie, Innere Medizin ...

Die progressive Muskeldystrophie (Typ Duchenne) ist eine auf dem X-Chromosom vererbte Krankheit, die bei Knaben nach dem 3. Lebensjahr auftritt und mit zunehmender Muskelschwäche unweigerlich zum Tode führt. Mütter übertragen das rezessive Gen zwar, erkranken aber nicht, da sie durch ihr zweites, gesundes X-Chromosom geschützt sind. Die Krankheitsursache konnte erst durch Klonierung des zugehörigen Gens aufgeklärt werden: Betroffene Kinder weisen Mutationen im Gen des Muskelproteins Dystrophin auf, das beim Gesunden an der Innenseite der äußeren Membran von Muskelfasern anliegt und diese damit wie ein Fachwerk stabilisiert. Man nimmt an, dass der Verlust dieser Schutzwirkung von Dystrophin schließlich zum Untergang der Muskelfasern führt. Die therapeutischen Möglichkeiten sind leider nach wie vor beschränkt. Die Kenntnis des mutierten Gens erlaubt aber inzwischen eine pränatale Diagnostik dieser Krankheit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Berufsbilder

Dem interdisziplinären Ansatz der Molekularen Medizin entsprechend ergibt sich eine Vielfalt von Berufsfeldern, die sich den Absolventen dieses Studienprogramms erschließen werden. Grundsätzlich sollen die Absolventinnen und Absolventen zur wissenschaftlichen und praktischen Arbeit in medizinischer Forschung, Labordiagnostik und medizinischer Biotechnologie befähigt werden.

Der Bachelor of Science Molekulare Medizin stellt die tragfähige Grundlage für weiterführende auf Führungstätigkeiten zielende Ausbildungsgänge, wie den Master of Science Molekulare Medizin, dar. Der Bachelor of Science führt in kurzer Zeit zum ersten akademischen Abschluss. Innerhalb des Bachelor-Curriculums können deshalb nicht alle spezifischen molekularbiologisch-medizinischen Kompetenzen vermittelt werden. Für die Absolventinnen und Absolventen des Bachelors of Science ergeben sich daher gegenüber dem Master of Science eingeschränkte Berufsperspektiven. Die Bewerberinnen und Bewerber für dieses Studienprogramm sollten deshalb mit Nachdruck den Abschluss des Masters of Science mit seinem forschungsorientierten Ausbildungsprofil anstreben.

Zu den möglichen Tätigkeitsbereichen für Molekularmediziner in Industrie, Privatlabors und öffentlichen Einrichtungen gehören:

Industrie: Tätigkeiten in Grundlagenforschung und Entwicklung, biomedizinischer Technik, Produktion und Qualitätskontrolle, Verwaltungsaufgaben, Marketing, Publikations- und Verlagswesen.

Privatlabore: Tätigkeiten in molekularer Diagnostik auf DNA- und Proteinniveau bei medizinischen und biotechnischen Fragestellungen, Analytik im Umweltschutz.

Kliniken: Molekulare und biochemische Diagnostik im klinischen Umfeld.

Behörden: Überwachungsaufgaben in Verwaltung und Labordiagnostik (z.B. Untersuchungsämter).

Wissenschaftliche Forschung: Methodische und analytische Zentralfunktion an Universitäten, Max-Planck-Instituten, Großforschungseinrichtungen.